Reproscan Rabbel

Urlaub vom Internet (aus)

02.08.2013

Weg mit dem Netz! In diesem Satz sehen viele sicher eine Aufforderung dazu, das Internet zu schließen bzw. zu erschließen – für und auf Reisen. Denn einerseits werden in Deutschland immer mehr Reisen online gebucht, andererseits aber planen viele Deutsch eben auch, das Internet im Urlaub ruhen zu lassen. In Ruhe verkaufen würden zudem gerne auch die stationären Reisebüros, mit oder ohne Online-Filiale. Doch einige Reiseveranstalter machen ihnen das Ferienleben schwer, setzen sie doch immer wieder Web-Adressen, QR-Codes und E-Mail-Adressen in ihre Reisekataloge, was die Reisebüros ihrerseits Kunden kostet.

Doch wie bei jeder Reise, wollen wir uns auch in diesem Blog dem Thema Urlaub vom Internet (aus) in Etappen nähern. Und wie bei jedem Urlaub, stehen zu Beginn das Suchen und Buchen. Das Affiliate Marketing-Netzwerk Tradedoubler hat sich mit der Studie Reisende und ihre Kaufpfade mit der Frage beschäftigt, wie die Customer Journey im Buchungsprozess von Urlaubsreisen aussieht: Wie und wo informieren sich Verbraucher über ihre geplanten Urlaub? Wie buchen sie schließlich ihre Reise? Befragt wurden dazu 2.500 Smartphone-Nutzern in Europa (speziell in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden und Polen).

Die Ergebnisse für Deutschland:

  • Über die Hälfte (54 Prozent) nutzt Preisvergleiche, Gutschein-Codes, Bonus- oder Cashback-Programme, um günstiger Hotels buchen zu können
  • 50 Prozent setzen diese Performance-Marketing-Tools ein, um bei Flugbuchungen sparen zu können
  • 52 Prozent greifen auf die Helfer im Netz zurück, um billigere Pauschalangebote zu finden

Hinzu kommt, dass die genannten Performance-Marketing-Tools von 44 Prozent schon bei der Auswahl der Destination genutzt werden, während sich aber immerhin noch 52 Prozent direkt bei Reiseanbietern und in Reisebüros mit entsprechenden Informationen versorgen. Besonders aufs Geld schauen deutsche Urlauber beim Buchen des Fluges. 73 Prozent der Befragten bedienen sich der Studie zufolge immer eines Preisvergleichs, um sich auch wirklich den besten Preis zu sichern. 40 Prozent indes sind überzeugte „Wiederholungstäter“ und setzen viel daran, einer bestimmten Fluggesellschaft treu zu bleiben, vor allem bedingt durch Kundenbindungsprogramme wie eben Vielfliegerrabatte, etc.

Internet bleibt im Urlaub zu Hause
Natürlich ist das Internet nicht wirklich irgendwo zu Hause und eigentlich haben es viele immer bei sich. Nicht aber, wenn sie (wahrscheinlich auch über das Internet) eine Reise gebucht haben und sich nun in den wohlverdienten Urlaub verabschieden. Dem W3B-Report „Reisen im Internet“ zufolge ziehen nämlich 75,3 Prozent der über 7.000 befragten deutschen Internet-Nutzer den Stecker zum Netz, zumindest teilweise oder auch vollständig. Nur 8,5 Prozent geben an, das Internet genauso häufig zu nutzen wie sonst auch.

Internet-Nutzung im Urlaub. © Fittkau & Maaß Consulting

Internet-Nutzung im Urlaub. © Fittkau & Maaß Consulting

Destination: Webfreie Reisekataloge
Ob und wann Urlauber tatsächlich Ferien vom Internet (aus) machen, ist natürlich auch für Reisebüros entscheidend. Schließlich stehen sie zumindest teilweise in direktem Wettbewerb mit Performance-Marketing-Tools wie eben Preisvergleichsportalen oder auch mit den Online-Angeboten der Veranstalter und Airlines selbst. Da wünschen sich die stationären Reiseverkäufer, dass wenigstens Vertriebskanäle wie Reisekataloge frei sind und bleiben von Direktbuchungskontakten wie eben Web-Adressen, QR-Codes und E-Mail-Adressen der Veranstalter selbst.

Solche Hinweise, so Branchenexperten und Vertreter großer Ketten und Kooperationen, explizit an Kunden zu kommunizieren, verhindere, dass Reisebüros und Reiseveranstalter auf Augenhöhe kooperieren können. Wenn aber Hinweise auf die Seite der Veranstalter bzw. Kontaktmöglichkeiten in Katalogen angegeben würden, sollte darüber diskutiert werden, inwieweit die Reisebüros davon profitieren und wie sie mit eingebunden werden können.

Pauschalreisen sind nicht gleich Pauschalreisen
Multichannel und Crosschannel, das hat sich bereits auch im Laufe dieses Beitrags gezeigt, halten also auch in der Reisebranche Einzug. Stationäre Reisebüros, die auch eine Online-Buchung ermöglichen, Print-Kataloge mit Online-Verknüpfungen, Kunden, die beispielsweise einen Flug online buchen und den Mietwagen dafür im Reisebüro um die Ecke. Diese Flexibilität macht es aber nicht nur Reiseanbietern schwer, Schritt zu halten auf der Customer Journey. Auch die Verbraucher haben bisher Probleme gehabt, im Falle von Beschwerden das verantwortliche Mosaiksteinchen zu finden, an das sie sich wenden konnten.

Dem will die EU-Kommission nun klare Verhältnisse entgegensetzen. So sehen Vorschläge für künftige Änderungen zum Reiserecht vor, dass Verbraucher, die sich ihre Reise im Internet zusammenstellen genauso geschützt sein sollen wie Bucher, die auf klassische Pauschalreisen setzen. Die rechtliche Gleichsetzung von individuelle und klassischen Pauschalreisen würde damit all jene Anbieter, die Flüge, Mietwagen und Hotels in ihren Angeboten zusammenführen, zu zentralen Ansprechpartnern in Sachen Stornierung und Schadensersatz machen.



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Marcello Buzzanca ist freier Autor, Texter, Redakteur, Blogger, Übersetzer. Seine Kunden sind Unternehmen jeglicher Größe aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Marketing, E-Commerce, App-Entwicklung, Immobilien. Er schreibt für unterschiedliche Online-Magazine mit dem Schwerpunkt Ethno-Marketing und konzipiert PR-Strategien für Startups.

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